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Hausdurchsuchung bei Lizengo

Mitglied: Lochkartenstanzer

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25.08.2020, aktualisiert 09:15 Uhr, 2084 Aufrufe, 9 Kommentare

Moin,

Lizengo war hier im Forum ja schon ein paar mal Thema, insbesondere als sie Lizenzen bei Edeka verkauft haben. Nun scheint das ein rechtliches Nachspiel zu haben:

https://www.heise.de/news/Hausdurchsuchung-beim-Software-Haendler-Lizeng ...


Bin mal gespannt, wie das ausgeht.

lks
Mitglied: manuel-r
25.08.2020 um 08:58 Uhr
Ich sehe das erstmal so:

Das Vorgehen ist analog zu dem was die Musikindustrie seit Jahren macht. Man bedient sich der Staatsanwaltschaft um eventuell an Beweise zu kommen, die man anders nicht bekommen kann - sofern überhaupt vorhanden. Dazu wird Strafanzeige erstattet um dann über die Anwälte mittels Akteneinsicht an die Ermittlungsergebnisse zu kommen. Die verwendet man dann in einem eventuellen Zivilverfahren.

In der Sache sehe ich das so, dass zumindest in Deutschland der Weiterverkauf gebrauchter (Volumen-)Lizenzen ja legal ist - auch in Teilen. Natürlich unter der Maßgabe, dass nicht mehr Lizenzen verkauft werden dürfen als man selbst gekauft hat. Das ist ja recht einfach zu bewerkstelligen. Wenn natürlich ein Käufer eine Lizenz kauft aber 5x installiert, dann ist das eine Sache die der Verkäufer nicht kontrollieren kann. Er kann es in seine Vertragsbedingungen schreiben mehr aber auch nicht.

Manuel
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Mitglied: liquidbase
25.08.2020 um 09:12 Uhr
Hier würde mich dann auch mal im späteren Verlauf interessieren was mit bereits gekauften Lizenzen passiert wenn das ganze für Lizengo negativ ausgehen sollte. Dazu wurde bisher nämlich noch gar nichts gesagt. Derzeit kann man ja noch munter weiter einkaufen bei Lizengo.

Ansonsten verstehe ich nicht wieso es Microsoft nicht schaft ein Tool herauszubringen womit man aktuell genutzte Lizenzen / Volumenlizenzen wieder freigeben kann, um einen sicheren Weiterverkauf zu haben. Es gibt zwar den PID Checker, aber so sicher kann man hier auch nicht sein, dass der immer alles korrekt anzeigt. Alleine weil ungewiss ist wieviele noch den gleichen Schlüssel aus einer Volumenlizenz gekauft haben.
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Mitglied: Lochkartenstanzer
25.08.2020 um 09:14 Uhr
Zitat von manuel-r:

Ich sehe das erstmal so:

Das Vorgehen ist analog zu dem was die Musikindustrie seit Jahren macht. Man bedient sich der Staatsanwaltschaft um eventuell an Beweise zu kommen, die man anders nicht bekommen kann - sofern überhaupt vorhanden. Dazu wird Strafanzeige erstattet um dann über die Anwälte mittels Akteneinsicht an die Ermittlungsergebnisse zu kommen. Die verwendet man dann in einem eventuellen Zivilverfahren.

In der Sache sehe ich das so, dass zumindest in Deutschland der Weiterverkauf gebrauchter (Volumen-)Lizenzen ja legal ist - auch in Teilen. Natürlich unter der Maßgabe, dass nicht mehr Lizenzen verkauft werden dürfen als man selbst gekauft hat. Das ist ja recht einfach zu bewerkstelligen. Wenn natürlich ein Käufer eine Lizenz kauft aber 5x installiert, dann ist das eine Sache die der Verkäufer nicht kontrollieren kann. Er kann es in seine Vertragsbedingungen schreiben mehr aber auch nicht.

Ich sehe das eher so, daß Lizengo es in den Augen von MS übertrieben hat und die jetzt mal wieder ein Exempel statuieren wollen wie damals bei PC-Fritz. Die haben zunächst auch ein legales Geschäft gehabt, indem sie (originale) OEM-Medien mit Lizenzkey vertrieben haben. Erst alssie angefangen haben, Medien in Polen oder Tchechien "nachpressen" zu lassen, konnte die MS belangen.

Bei Lizengo wird sich nun zeigen müssen, ob die reguläre Lizenzen wiederverkauft haben (was legal wäre) und die Kunden das mißbraucht haben oder ob die selbst den gleichen Key mehrfach verkauft haben (z.B. MAK).

Wie auch immer wird sich die Situation klären.

lks
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Mitglied: GrueneSosseMitSpeck
25.08.2020, aktualisiert um 09:34 Uhr
unfaire Geschäftsbedingunen gibts seitens Microsoft schon seit Jahrzehnten, aber Geschäftsleute die rumtricksen auch.
1994 hat Microsoft nach dem Vorfinden von 5 Microsoft Bundlemäusen ohne gebundelten Computern in Ungarn Vobis in Deutschland mit der Aufkündung der Geschäftsbeziehungen gedroht... Theo Lieven hat dann aber seinerzeits die Reißleine gezogen und danach OS/2 Warp mit Windows Subsystem den REchnern beigelegt, das war billiger wie Dos und Windows bei MS zu kaufen.

Nach Vobis hab mal drei Jahren in einem Softwaregroßhandel gearbeitet, der eine Zeit lang kreative Updatebundles verkauft hat... einmal hatte sich MS die Finger verbrannt, der MS Geschäftsführer wegen Meineid angeklagt und verurteilt, und wir haben 4,3 Millionen DM Schadensersatz für eine Widerrechtliche Beschlagnahme von 995 Office-Paketen gekriegt. Und mein Chef hat das berühmte OEM Urteil erstritten, was schon 1999 dazu führete daß man als Budnle gekaufte Computer und Software wieder aufteilen durfte-

Später haben sie den Geschäftsführer von Compusoft und die Geschäftsführere zweier "Briefkastenfirmen" aber wegen echtem Betrug drangekriegt... 2002 war der Laden dann dicht.
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Mitglied: Lochkartenstanzer
25.08.2020 um 09:20 Uhr
Zitat von liquidbase:

Hier würde mich dann auch mal im späteren Verlauf interessieren was mit bereits gekauften Lizenzen passiert wenn das ganze für Lizengo negativ ausgehen sollte. Dazu wurde bisher nämlich noch gar nichts gesagt. Derzeit kann man ja noch munter weiter einkaufen bei Lizengo.

Das konnte man bei PC-Fritz auch, solange das Verfahren lief.

Aber ich denke, das Hauptgeschäft von Lizengo mit gebrauchten Volumenlizenzen ist schon ordentlich gemacht. Der Knackpunkt war wahrscheinlich, als sie es übertrieben haben und es bei Edeka Windows und Office zum Preis von Appel-und-Ei gab und sie das (vermutlich) nicht ganz sauber abgewickelt haben.


Ansonsten verstehe ich nicht wieso es Microsoft nicht schaft ein Tool herauszubringen womit man aktuell genutzte Lizenzen / Volumenlizenzen wieder freigeben kann, um einen sicheren Weiterverkauf zu haben. Es gibt zwar den PID Checker, aber so sicher kann man hier auch nicht sein, dass der immer alles korrekt anzeigt. Alleine weil ungewiss ist wieviele noch den gleichen Schlüssel aus einer Volumenlizenz gekauft haben.

Ganz einfach: Weil das deren Verkäufe und damit Einnahmen mindern würde. Wenn ein paar Lizenzen "vergammeln" bringt das denen mehr, als wenn die an Kunden sich solche Lizenzen "containern" gehen, die sich sonst neue zum vollen Preis hätten kaufen müssen.

lks
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Mitglied: Lochkartenstanzer
25.08.2020 um 09:25 Uhr
Zitat von GrueneSosseMitSpeck:

Ich hab mal drei Jahren in einem Softwaregroßhandel gearbeitet, der eine Zeit lang kreative Updatebundles verkauft hat... einmal hatte sich MS die Finger verbrannt, der MS Geschäftsführer wegen Meineid angeklagt und verurteilt, und wir haben 4,3 Millionen DM Schadensersatz für eine Widerrechtliche Beschlagnahme von 995 Office-Paketen gekriegt. Und mein Chef hat das berühmte OEM Urteil erstritten, was schon 1999 dazu führete daß man als Budnle gekaufte Computer und Software wieder aufteilen durfte-

Du meist das da:
https://www.telemedicus.info/urteile/IT-Vertragsrecht/290-BGH-Az-I-ZR-24 ...

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Mitglied: GrueneSosseMitSpeck
25.08.2020, aktualisiert um 10:04 Uhr
danach gabs noch knapp 2 dutzend Prozesse, alle von Compusoft gewonnen bis zu diesem hier:

https://www.channelpartner.de/a/nach-razzia-compusoft-chef-elhady-sitzt- ...

und das ging böse aus. Aber drekcige Wäsche wurde vorher schon gewaschen, Microsoft bezeichnete nämlich meinen Ex-Chef als "schwarzes Schaf" obwohl er juristich betrachtet zu dem Zeitpunkt eine blütenreine Weste hatte, Microsoft schaltete ganzseitigen Anzeigen in der Computer reseller news und noch zwei weiteren Fachhandelsblättern, das ganze gepaart mit einer IP-Blockade so daß wir nicht mehr in den Fachhändlershop von Microsoft reingekommen sind.

Daß man Beklagte mit Namen nennt ist in Deutschland eigentich unüblich, aber channelpartner.de kriegt eine ganze Menge Werbegelder von den "echten" Microsoft-Distributoren, und die halten die Erinnerung daran wach. Z.E. hat 2 Jahre uafn Bewährung gekriegt und es sind fast 40 Millionen Euro an Schadensersatz geleistet worden, die beiden gEschäftsführer der beiden briefkastenfirmen haben 15 und 9 Monate auf Bewährung gekriegt. Auch wenn man als ehemaliger Pizzabäcker nur aus Gefälligkeit einen Geschäftsführervertrag unterschreibt ist man trotzdem verantwortlich für das was da passiert...

Ich hatte das Vergnügen zu einem dutzend Prozessen als Zeuge anzureisen und konnte nicht viel sagen, weil die Führungsriege grundsätzlich ihre Geheimnisse in Arabisch diskutiert hatte. DA ich der Sprache außer "ja nein danke auf wiedersehen" nicht mächtig bin war das jedesmal bezahlter Urlaub, 1. Klasse, Sternehotel... weil die Staatsanwätle aber auch wenig dumm im Kopf waren (einer fragte mich allen ernstes wie ich die Tätigkeit meines Chefs juristisch bewerten würde) hab ich etliche Vorladungen erhalten...
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Mitglied: Lochkartenstanzer
25.08.2020 um 09:59 Uhr
Zitat von GrueneSosseMitSpeck:

danach gabs noch knapp 2 dutzend Prozesse, alle von Compusoft gewonnen bis zu diesem hier:

https://www.channelpartner.de/a/nach-razzia-compusoft-chef-elhady-sitzt- ...

und das ging böse aus. Aber drekcige Wäsche wurde vorher schon gewaschen, Microsoft bezeichnete nämlich meinen Ex-Chef als "schwarzes Schaf" obwohl er juristich betrachtet zu dem Zeitpunkt eine blütenreine Weste hatte, Microsoft schaltete ganzseitigen Anzeigen in der Computer reseller news und noch zwei weiteren Fachhandelsblättern, das ganze gepaart mit einer IP-Blockade so daß wir nicht mehr in den Fachhändlershop von Microsoft reingekommen sind.

Ich kenne die Anzeigen noch. Aber nachdem alle verurteilt wurden, war die Sachlage anscheinend klar.

Ich hatte das Vergnügen zu einem dutzend Prozessen als Zeuge anzureisen und konnte nicht viel sagen, weil die Führungsriege grundsätzlich ihre Geheimnisse in Arabisch diskutiert hatten.

Da stellt sich die Frage, warum wohl?

lks
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Mitglied: GrueneSosseMitSpeck
25.08.2020 um 10:36 Uhr
tja... z.B. weil es etwas zu verbergen galt? Das häufigste Wort in den Fluren und im Chefzimmer war "muhami al sharika", das hab ich dann noch mal nachgeguckt. "Rechtsanwalt der Firma".

Die Staatsanwaltschaft war taktisch unklug vorgegangen, Sie hat alle 3 Geschäfttsführer angeklagt, anstelle das "Kleinste Licht" darunter über eine Kronzeugenregelung auszusparen. Ansonsten wäre sehr viel Luft nach oben bei den Urteilen gewesen... oder eine rigorosere Vermögenseinziehung. Die Häuser und Autos durften die ja alle behalten
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